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Das tiefste Rennen der Welt
Tuesday, 21. November 2006

ImagePeter war am Samstag den 18.11.2006 beim 19. Bergwerkrennen in Sondershausen am Start. Er musste eine 5,2 km langen Rundkurs 4-mal bewältigen. Die Streckenführung war sehr anspruchsvoll Steigungen bis 20% auf glatter, eisähnlicher Fahrbahn. Die Temperatur im Bergwerg ist konstant über 20 Grad. Um 10:15   Uhr gingen 60 Teilnehmer an den Start. Peter landete mit einer Zeit von 01:05:48 auf einem sehr guten 5. Platz. 

 
 
Rennbericht von Peter:
 
Acht, neun, zehn und los. Ich trete in die Pedale und mein Scale nimmt fahrt auf. In einem stark abfallenden Schacht sind in kurzer Zeit an die sechzig km/h erreicht. Weit vor mir blinzelt das Rücklicht von meinem Vorstarter, und ich trete rein was das Zeug hält. Doch Vorsicht, gleich  biegt der Stollen doch nach rechts ab, oder war es nach links. Das Rücklicht meines Vorreiters verschwindet und es sah nach rechts aus. Ich trete noch mal richtig rein und bin der Meinung, dass ich schon ein Stück zu ihm aufgeholt hab`. So, und jetzt bremsen. Das Bike wird unruhig und das Hinterrad fängt ein wenig an zu rutschen, doch beim einbiegen merke ich das alles im grünen Bereich ist. Das Gefälle wird noch steiler und ich bin bereits wieder kräftig am treten, denn die nächste leichte Biegung geht voll. An meinen Vorstarter bin ich bereits relativ dicht dran und der Untergrund wird zunehmend sandiger als sich die Linkskurve andeutet. Mein Vordermann nimmt die Kurve von weit außen, zieht aber nicht nach innen sondern bleibt außen und das ist meine Chance. Ich nehme viel weniger Geschwindigkeit raus als er und ziehe voll nach innen dicht an die Stollenwand entlang als mein Bike über beide Räder wegrutscht was ich aber gut abfange indem ich den Esel nach außen wegdriften lasse. Noch im Auslauf der Kurve trete ich wieder in die Pedale und nun ist das eingetreten was ich eigentlich nicht wollte. Ich führe beim tiefsten Rennen der Welt.
Doch wie kam es dazu.
Schon vor über zwei Jahren las ich im Internet das im Schacht „Glück auf“ in Sondershausen Mountainbikerennen veranstaltet werden.  Fasziniert hat mich das damals schon, doch hatte ich gerade mit dem Mountainbiken begonnen und absolut keine  Rennerfahrung.
Vor einiger Zeit sprach mich Lars auf dieses Rennen an und so habe ich erst erfahren,  dass es außer im März auch noch in November veranstaltet wird. Nach erster Kontaktaufnahme mit dem Veranstalter stellte sich aber Ernüchterung ein, denn die Startplätze sind limitiert und alle vergeben. Nur die Absage eines Teilnehmers wäre noch eine Möglichkeit. Auch ist die potentielle Quälerei nicht unbedingt ein billiges Vergnügen, denn Gabi und ich haben zusammen  für das Hotel, die Schachtgebühr und das Startgeld 124 € berappt.
Ich bin mit mir übereingekommen das ich mir den Spaß gönne, sollte ein Startplatz frei werden. Da Lars abgesprungen war trafen Gabi und ich am Freitagabend  im Sportcenter Schlotheim alleine ein und nahmen beim einchecken auch gleich die Startnummer( 2 )in empfang. Gleich als zweiter zu starten war logischer weise nicht gerade ein Vorteil wenn die Strecke neu ist. Im Ristorang sahen wir uns bei einem kleinen Imbiss noch ein paar Videoaufnahmen von der Streckenführung an als wir mit ein paar anderen Teilnehmern ins Gespräch kamen. Nach einigen Getränken haben wir uns dann  gegen Mitternacht aufs Hotelzimmer verzogen weil es Samstag recht früh wieder raus gehen sollte. Am nächsten Morgen fuhren wir im Konvoi nach Sondershausen, zum ältesten noch befahrenen Kalischacht der Welt, und als sich alle Mountainbiker und Besucher  vor dem Förderkorb eingefunden hatten blieb noch etwas Zeit für die ein oder andere Plauderei, bevor Mensch und Drahtesel Grüppchenweise im Förderkorb verschwanden. Als ich so die Blicke schweifen ließ viel mir noch auf das die untersetzten, gemütlichen Fahrer wie sie zu einem gewissen Anteil an jedem MTB-Marathon anzufinden sind nicht vorhanden waren. Keine Frage, die Mitstreiter die hier versammelt sind wissen auf was sie sich einlassen, und sie haben dieses Jahr mit Sicherheit einige tausend MTB-Kilometer in den Beinen. Nachdem wir mit dem Förderkorb ins Dunkle verschwanden blinzelte erst am Ziel in etwa 700m Tiefe das Licht durch den Schutzvorhang, und als der sich öffnet kam eine in Sals gehauene beleuchtete, imposante Kathedrale zum Vorschein. Dort hatten wir noch etwas Zeit um uns umzuziehen und noch mal für kleine Mountainbiker zu verschwinden, denn zu meiner Überraschung  gab es dort wirklich akkurate WC s, bevor wir uns auf den Weg zum endgültigen Zielpunkt machten. Nach ca. drei Kilometer Fahrt hinter einem offenen Transporter konnten wir noch Eindrücke über die Bodenverhältnisse und Grip sammeln, bevor es dann endgültig zur Sache ging. Nach einer Einführungsrunde wurde nach Startnummer im zehn Sekundentakt gestartet und nach vier Runden a 5,2 Kilometer ist es dann überstanden. Das hört sich unheimlich läppisch an, ist es aber ganz und gar nicht und ich wette jeder der das Rennen schon mal absolviert hat wird mir beipflichten. Einige Umstände sind dafür verantwortlich, dass einem das Rennen dann doch nicht so ganz locker von der Pedale geht.  1. Wird durch die relativ kurze Distanz ein Höllentempo vorgelegt.  2. Sind die Steigungen und Gefälle mit 20% beträchtlich und die Höhenmeter auch nicht ohne.  3. Ist es mitunter äußerst rutschig und man muss immer auf der Hut sein.  4. Keine Kurve ist einsehbar (Tunneleffekt) und zum Teil nur durch das eigene Licht schwach beleuchtet. Das zerrt an der Konzentration.  5. Es ist sehr warm (ca. 25-30°C) und eine salzige, staubige, trockene Luft lässt einem die Lippen und den Mund austrocknen und die Luftröhre brennen. Aus den Gründen kann der vorhandene Arzt auch Fahrer während des Rennens entgegen des eigenen Willen aus dem Rennen nehmen wenn er sieht das jemand gefährdet ist. Einige Fahrer sind dann auch durch Sturz oder Aufgabe frühzeitig aus dem Rennen gegangen. Nachdem dann der letzte Fahrer durch das Ziel gekommen war und sich erholt hatte fuhren wir zurück zur Kathedrale um im Festsaal zur Siegerehrung zu schreiten. Natürlich war ich freudig überrascht als ich unter den sechs Schnellsten Fahrern war, die mit einer Urkunde geehrt wurden. Da habe ich mir zur Siegerehrung  noch schnell unser neues Teamtrikot zuschmeißen lassen. Man will ja ordnungsgemäß gekleidet sein. Als alle wieder das Tageslicht erblickten und geduscht hatten wurden noch ein paar Adressen ausgetauscht und danach zerstreuten sich die Mitfahrer in alle Himmelsrichtungen.