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Holzmedaille

von Wolf Dieter Brandt

Tagelang hatten wir uns gesorgt, wie die Verpflegung ohne Halt zu schaffen sei. Dann trafen wir Max und Jörg, dessen Frau erklärte sich bereit, uns auf dem Schattberg zu versorgen. So standen wir glücklich im Startblock, bis mein Blick auf die Mitstreiter und deren Räder fiel. Nur eine Flasche, Kettenblatt mit 30 Zähnen, was hatten wir verpasst?

World Games of Mountainbiking in Saalbach, Daniel hatte sich das Rennen passend zu seinem Schichtplan ausgesucht, ein Apartment gebucht, ich musste nur Auto, Rad und Körper mitbringen. So reisten wir 700km nach Leogang, das uns mit tiefhängenden Wolken und Kälte begrüßte. Die Nacht war kalt, aber morgens um 11 nach dem Frühstück brach die Sonne durch und ein wunderschöner Herbsttag erwartete uns. Zügig rollten wir zum Fuße des Bikepark und trotz Freikarte blieben wir vernünftig und reduzierten die Vorbelastung auf die übliche Dreiviertelstunde. Schade, schade, wehmütig streiften meine Blicke über den Hügel vor uns und den Park. Welch eine Gelegenheit.
Am nächsten Morgen das Übliche, Wecker um 5:15, Frühstück, letzte Vorbereitungen, dann Räder ins Auto und los nach Hinterglemm, die Fahrt sollte 45 Minuten dauern. Völlig überrascht waren wir vom fast leeren Parkplatz vor der Seilbahn, der sich erst in der nächste halben Stunde füllen sollte. Sanitäre Anlagen in 20m Entfernung, Bikewash 50m, der Start in Hinterglemm einen halben Kilometer entfernt. Alles einfach perfekt. Die Sonne lugte schon über die Berge und es wird angenehm warm, kurz/kurz ohne Unterhemd, ohne Weste und den ganzen anderen Klimbim waren angesagt.
Im Startblock schafften wir es dann unter die ersten 10m, nur die Vorjahresplatzierten wurden separat aufgerufen und durften dann ganz nach vorne. Der übliche Smalltalk vor dem Rennen und dann die Entdeckung der sehr defensiven Übersetzungen. Gut, ich fahre Eagle, hatte damit die Beskidy überlebt, dass muss gehen.
Startschuss, 5km neutralisiert und auf dem Fußweg links eine endlose Schlange von Überholenden, die sich dann vorne reindrängten. Dann ging es halblinks in Saalbach durch die Häuser in den ersten 600hm Anstieg zur Panoramahütte. Etwas gedrängt aber dann doch recht freie Fahrt. Nur waren eben die Vorderen eben noch nur 50m in der Ebene weg, jetzt aber schon ein paar Hundert Meter im schmaler werdenden Weg. Da verliert man schon eine Minute, bevor es richtig los geht. Zügig konnte ich überholen, bis zum Spielberghaus nach knapp 400hm dünnte sich das Feld merklich aus, kurz danach hatte ich Jörg ein- und dann auch überholt. Etwas wellig ging es weiter hinauf und dann war nach 35 Minuten der Anstieg geschafft, die erste Verpflegung erreicht und man bot mir Flaschen und Gels an. Jetzt war auch klar, warum ich einer der wenigen Unwissenden mit zwei Flaschen im Startblock war. Schotterwegabfahrt, einige der üblichen Steinrinnen zum Ablaufen des Regenwassers, schön rot mit Signalfarbe markiert, aber dennoch standen nach nur knapp 2km die Ersten mit Reifenschäden am Rand. Noch zwei Serpentinen und wir bogen durch in einen angelegten Trail ein, schöne Kurvenüberhöhungen, am Ende der Saison mit vielen Bremswellen und leider Stau. Ausfahren war nicht möglich. In Saalbach schon wieder eine Verpflegung nur 5 Kilometer weiter wieder das Angebot einer Flasche. Diesmal griff ich zu, warf eine weitere weg und dann ging es in den 1100hm Anstieg zum Schattberg Ostgipfel. In mehr als 30 Kehren ging es recht unrhythmisch den Berg hinauf. Inzwischen hatte die Sonne ihre ganze Kraft entwickelt und der Schweiß lief aus dem Helm. Ein wenig verfiel ich den mir bekannten "nur einfach ohne Schmerzen raufkommen" Modus und bummelte, bis zwei Fahrer zum Überholen ansetzten. Das war ein kleines Signal, wenigstens einfach hinterher zu fahren, um im Feld voranzukommen. Mehr als ein Stunde nur Anstieg, ziemlich oft im kleinsten Gang, dann war der Ostgipfel mit Verflegung erreicht. Die Organisation ist einfach unglaublich! Oben stand auch unser Supportteam, eine volle Flasche hatte ich von Schönleiten 10km und 1200hm auf den Berg geschleppt, wieder eine Minute verschwendet. Schnell die Flaschen getauscht, Eine kurze Abfahrt und eine wirklich häßlich steile Rampe nur 10 Minuten weiter auch dann der Westgipfel. ein paar Meter weiter hoch und es ging in den Hackbergtrail, wieder angelegt mit Kurvenüberhöhungen und Sprüngen, super zu fahren. Nach nur 200m und zwei sanften Hüpfern waren beide Flaschen weg, was jetzt? Einfach weiter, irgendwo gibt es Nachschub! Zwei oder drei Fahrer ließen mich einfach passieren, dann aber ein nicht mehr zu überholender Fahrer. Zu Dritt ging es in einer Überbrückungsstück, bergauf, wellig, technisch mit Wurzeln und Steinen, schön mit Kraft zu überfahren. Ein Weidegatter mit Überstieg, dann noch ein paar Meter und meine Lieblingsdisziplin Schotterabfahrten begann. Den Kollegen in pink/blau ließ ich ziehen, 70km/h und unbekannte Strecke waren das Limit. Im Kopf im Nachgang erscheint einem dieses Stück sehr lang, aber nach 5 Minuten Flug begann schon der nächste Anstieg. Keine Flasche, kein Getränk, dann müssen zwei Gels reichen. Etwas verhalten ging es in den Berg, aber keine 15 Minuten weiter an der Ellmaualm bekam ich Flasche und Gel, alles wird gut! Nur leider zog die Steigung jetzt so an, dass ich selbst mit 34/50 im Schritttempo unterwegs war, nach hinten wurden die Abstände größer, nach vorne zu pink/blau leider auch. Irgendwann nahm ich den Kopf runter, der Weg wollte einfach nie wieder flacher werden, das raubt mir den letzten Nerv. Ein kurzes Flachstück und zur Strafe wurde es noch ein wenig steiler und der Schotter ging in einen Wiesen, Stein und später Wandertrail über. In Zeitlupe näherte ich mich einer schlanken Silhouette auf einem Hardtail. pink/blau war leider noch weiter weg, plötzlich wurde der aber schneller, die Kuppe war scheinbar erreicht. Auch der Zwölferkogel musste in einer Doppelspitze überfahren werden, knapp 10 Minuten Kampf und wenigstens die schmale Silhouette entpuppte sich als wirklich schnelle Frau und ich war praktisch am Hinterrad an der Verpflegung. Die Gute hatte es aber so eilig, dass Sie mit starkem Pedaltritt in die Abfahrt schoss und keinen Zweifel daran ließ, nicht so einfach überholt werden zu wollen. An zwei Almen und der Streckenteilung vorbei ging es auf staubigen Schotterwegen hinunter, ein kurzer Gegenhang, wieder bis ans Hinterrad, dann ein wieder ein angelegter Trail und wir streiften schon einmal die Zielort. Jetzt kamen noch zweimal je 400hm, flacher im Profil. Auf dem Überrückungsstück konnte ich die Gute passieren, ein paar hunderte Meter bis zur ersten Welle im Gegenwind blieb sie im Windschatten, dann war ich alleine. Leider auch nach vorne. In schönen Wellen ging es wirklich gut fahrbar in ein wunderschönes Tal Richtung Ossmann-Alm. Noch eine komplette Verpflegung, die ich passierte, eine Flasche hatte ich ja oben auf dem Zwölferkogel genommen. Drei Bachdurchfahrten, eine Brücke, ein Trail mit vielen Wanderern, die alle bereitwillig Platz machten und ich konnte drei Weitere Fahrer vor mir sehen, am Ende auch pink/blau. Jetzt nur noch treten, ein leichter Krampf deutete sich schon eine Stunde am Knie an. Wieder runter auf Schotter mit vielen scharfen Kurven, dann Wiese, Feldweg, Verpflegung, Straßenposten, die mich nach links in eine Straßenanstieg schickten, und mein Freund in pink/blau nur noch knapp 200m entfernt. Da stand der zweite der Gruppe mit einem Platten am Rand, pink/blau noch 75m entfernt. Kopf runter, treten, wirklich viel kam schon lange nicht mehr aus dem Beinen. Aber dann hatte ich ihn erreicht. Er grinste mich an: "Gut eingeteilt!". Aber ich wollte vorbei und schaffte ein kleines Loch. Der letzte der Dreiergruppe war nun auch nur noch 200m entfernt. Der muss doch auch zu kriegen sein. Noch eine lange Gerade, dann links und rechts auf eine Feldweg und ein Viehgatter, da war der letzte Berg geschafft, leider mit 30m Lücke. Da war nichts mehr zu machen! Die Abfahrt war nur wenige Minuten High-Speed auf Schotter, Teer und Wiese, dann eine scharfe Linkskurve, der Transponder wurde ausgelöst und mein Name wurde vom Sprecher verlesen.
Das Podium in meiner Altersklasse war leider schon komplett, der Dritte war gerade vor mir durchs Ziel gerollt. Irgendwie habe ich entweder den Start verschlafen, oder die eine Flasche unnötig den Berg raufgeschleppt oder am dritten Anstieg eben zu lange ohne Getränk und dann mit zu dickem Gang unterwegs.
Egal, es war definitiv eines der schönsten Rennen meiner kurzen Radfahrzeit! Eine perfekte Organisation, hochmotivierte und hilfsbereite Helfer an allen Stationen, eine Zielverpflegung mit Brötchen, Suppe und Getränke, die ihren Namen wirklich verdient. Zuletzt natürlich wunderschönes Wetter bei idealen Bedingungen auf einer wirklich tolle Strecke. Nur dass es ständig über 20% Steigung geben würde, das hätten wir irgendwo rauslesen müssen :-)
Saalbach-Hinterglemm, wir werden bald wieder zu Besuch kommen!

Ergebnis in der Altersklasse: 4

Ergebnis in der Gesamtwertung: 22

Gallerie zum Rennbericht:

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