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Wieder mal Vierter - trotzdem geil!

von Daniel Widera

Wieder nur Vierter - und dennoch überwiegen heute all die schönen Erinnerungen, die dieses Rennen mitgebracht haben. Wobei, schön war nicht alles, denn hart erkämpfen musste man sich heute jeden, aber auch wirklich jeden, Meter!

Ein paar Wochen zurück suchte ich mir die World Games in Saalbach/Hinterglemm mit 58 Km und 3000 Hm als Saisonfinale aus. Wie die reinen Daten zeigten sollte es steil werden. Riva war allerdings auch nicht mehr und so entschied ich mich genauso wie dort mit einem 36er Kettenblatt vorne und meiner treuen SRAM Eagle 10-50 hinten zu starten. Schon im Startblock wunderte ich mich zwar über einige zügig aussehende Mitstreiter mit sehr kleinen Kettenblättern (30-32-34, alles war dabei, nur sonst keiner mit 36) und sogar nur mit einer Flasche ausgerüsteten Räder, aber ich dachte mir erst einmal nichts mehr dabei. Drei lange Anstiege galt es zu bezwingen, der erste zur Panorama Alm mit ca. 700 Hm und einer durchschnittlichen Steigung von 10% eher noch der einfacheren Art. Ich rollte in die Spitze in der neutralen Phase und musste mich im ersten Anstieg selber stetig bremsen und merkte oben, warum hier alle nur mit einer Flasche starteten, als mir an der Versorgung nicht nur einer eine neue volle Flasche in die Hand drücken wollte. Gut, dass ich noch besten mit viel Inhalt in meinen Flaschen ausgestattet war. Das Drama nahm seinen Lauf als es im zweiten Anstieg zum Schattberg (der ständig als steilste Berg bezeichnete) hinauf ging. Es wurde steiler und steiler, gefühlt fuhr ich von Anfang im letzten Gang. Strava verrät mir heute, es waren immerhin noch 75 rpm, die ich kurbelte. Fühlte sich trotzdem beschissen an. Es wurde steiler und steiler, sagte ich eben schon, wurde es weiter. Trittfrequenz jetzt bei 45 rpm, auf die Watts meiner Stages brauchte ich da nicht mehr gucken. Blick nach vorne und nach hinten: Immerhin geht's den anderen scheinbar genauso beschissen. Beine taten weh, Erinnerungen an Gran Canaria und das Tal der Tränen kamen wieder, ja, das tat auch weh. Irgendwie ging's nach oben und die Steigungsgeschwindigkeit von ca. 1100 Hm / Stunde las sich in der Analyse später auch nicht so schlecht. Fühlte sich halt bloß anders an. Gab Verpflegung oben, Cola in die Hand gedrückt. Fand ich zu früh. Eigentlich wollte ich sie gar nicht, war aber zu spät, war schon in irgendeinem steinigen Trail hinunter. Verpflegung mit Flaschen, Gels, Bars hätte es hier oben auch gegeben, hätte nicht mal wer hier hoch gemusst. Die Berge müssen übrigens schön ausgesehen haben, wenn man die Zeit gehabt hätte sich umzusehen. Schön wäre es gewesen, wenn der zweite Anstieg schon vorbei gewesen wäre, man sah das Dicke Ende aber gerade auf sich zukommen. Bei Strava passend Schattberg-Hardcore benannt: Durschnittlich 20%, Spitzen bis 37%. Mein verbliebender Mitstreiter und ich quälten uns hoch, waren auch zu viele Leute zum Absteigen da. 5,8 km/h durschnittliche Geschwindigkeit in dem Segment, die Abfahrt danach war verdient - und geil. Teilweise flowig, aber auch einige Steine zum Umkurven, sehr gut mit dem Hardtail fahrbar. Würde ich ja noch einmal fahren, aber musste ja weiter und hatte wenig Interesse noch einmal da hochzufahren. :) Weiter ging's in Richtung Zwölferkogel und mir wurde gesagt ich wäre auf der 58 Km und 78 Km Strecke der bislang 15. Fahrer. Besser als erwartet, mussten wohl wirklich alle Leiden. In der Hoffnung, dass das schlimmste vorbei war konzentrierte ich mich wieder auf meine Stages und lieferte meine gezielten 280w ab. Aber es wurde wieder steiler. Steiler als vorher und man nahm seinen Kopf lieber nicht hoch. Ich tat es trotzdem: Es war eine einzige Wand und man sah vereinzelt einen Fahrer und ein paar Wanderer. Bewegten die sich überhaupt? Musste wohl so sein, scheiße, und da parkst du dein Rad gleich auch noch, war einer der wenigen Gedanken, die einem da so durch den Kopf schossen. Immer mal wieder ein Blick auf den Garmin, hätte man sich auch sparen können, Watts scheiße, Geschwindigkeit <6 km/h, scheiße, Beine scheiße. Einzig die Höhenmeter pro Stunden stimmten, aber das kam gar nicht so richtig an. Meter um Meter quälte man sich weiter, bemitleidende Blicke von Wanderern, andere Fahrer sah man nur noch gefühlt weit vor und hinter sich, die Reihenfolge schien bereits ausgemacht. Super, können wir das Rennen ja eigentlich jetzt beenden und alle wieder runterfahren. Manchmal ein paar aufmunternde Worte von der Seite und dann wieder >naja, eine ganze Ecke musst du aber schon noch<, in dem Moment entglitten wohl die letzten Gesichtszüge, zum Glück revidierte seine hinterherlaufende Frau das mit den Worten >noch zwei Kehren und du bist oben<- und so war es auch. Endlich am Zwölferkogel, eine letztes Getränk von der spitzen Verpflegung mitgenommen und ab in die Abfahrt. Ich zögerte, ob ich nun 78 Km oder die 58 Km fahren sollte und entschied mich ins Ziel zu fahren. Mit Krämpfen in den Beinen und Platz 4 in der Eliteklasse (5. Gesamt) war das die richtige Entscheidung - und dennoch war ich kurz nach der Streckenteilung etwas unsicher. Die letzten beiden kurzen (~400 Hm je Anstieg) sahen auf dem Papier durchweg flacher als das bisherige aus. Wäre wohl mein Ding gewesen, nachdem ich auf den letzten 100 Hm, die auch auf der 58 Km noch einmal flacher waren, wieder gewohnt zügig fahren konnte. Nächstes Mal - denn dann stehe ich hier mit nur einer Flasche im Gepäck und mit einem 32 Kettenblatt vorne am Start!
Es war ein geiles Rennen, das mit dem perfekten Wetter und strahlend blauem Himmel aber nicht zu warmen Temperaturen einlädt wieder zu kommen. Jede der gefühlt ständig wieder auftauchenden Verpflegungen war mit allem, was das Sportlerherz begeistert, ausgestattet: Iso und Cola in angereichten Flaschen, Gels, Bars, Obst. Es hatte zwar einen großen Schotteranteil, aber so fuhr man immerhin so gut wie keine Straße entlang. Und im Downhill waren es schön gewählte Flowtrails, die wirklich fast jedem Spaß machen müssten, und mit allen Räder gut fahrbar waren. Nicht zu vergessen zeitgleich ausgetragende Downhillwettkämpfe, wo der DDMC nächstes Jahr wirklich mal darüber nachdenken muss mit vielen Leuten hier anzureisen und ein schönes Jahresabschlusswochenende zu haben! Denn hier findet sich für jeden was: den Racer, den Downhiller, den Wanderer und den, der einfach nur ein bisschen so im Bikepark herumfahren will.

Ergebnis in der Altersklasse: 4

Ergebnis in der Gesamtwertung: 5

Gallerie zum Rennbericht:

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